Wirkstoffpflaster (TTS)

    Wirkstoffpflaster (Transdermale Therapeutische Systeme, TTS)

    Bereits die Ägypter setzten vor rund 4.000 Jahren Wirkstoffpflaster in einfacher Form ein und bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts spielten z.B. sogenannte Bleipflaster (Emplastrum Lithargyri) in jeder Apotheke eine wichtige Rolle. Aber das geriet nach und nach in Vergessenheit. Wer heute vom Pflaster spricht, meint deshalb zumeist das einfache Wund- oder Fixierpflaster zur Versorgung der vielen kleinen äußerlichen Verletzungen in unserem Alltag. Dabei ist diese einfache Form des Pflasters erst in den vergangenen 100 Jahren entstanden. 

    Aber seit Anfang der achtziger Jahre wurde das Wirkstoffpflaster als Darreichungsform wiederentdeckt: Zunächst wurden Indikationsgebiete wie Reisekrankheit (Scopolamin), Angina Pectoris (Nitroglycerin), Hormonersatzbehandlung (Estradiol) oder Bluthochdruck (Clonidin) erschlossen, in den vergangenen Jahren erlangten vor allem Indikationsgebiete wie Schmerztherapie (z.B. Fentanyl), Demenz (z.B. Rivastigmin) und Hormonelle Verhütung (Verhütungspflaster) erhebliche Bedeutung.  

    Voraussetzung dafür war die Entwicklung moderner Transdermaler Therapeutischer Systeme (TTS) die es ermöglichen, dass Arzneistoffe in therapeutisch wirksamen Mengen durch die Haut (transdermal) in den Blutkreislauf gelangen. Dazu übernimmt die Haut als eines der komplexesten und vielseitigsten Organe des Menschen eine zentrale Funktion: Nach außen wirkungsvolle Barriere gegen Feuchtigkeit, Hitze oder Staub, ist die menschliche Haut gleichzeitig Aufnahmeorgan und in der Lage, insbesondere fettlösliche und gasförmige Stoffe aufzunehmen und in den Blutkreislauf zu leiten. Beim Pflaster als Transdermalem Therapeutischem System diffundiert der Wirkstoff über die Hornschicht der Epidermis in die darunter liegenden Hautschichten bis zu den Blutkapillaren, die den Wirkstoff über den Blutkreislauf direkt an seinen Einsatzort transportieren. Moderne Wirkstoffpflaster geben den Arzneistoff besonders gleichmäßig und über mehrere Tage oder sogar Wochen hinweg ab. 

    Für den Patienten bedeutet das - insbesondere in der Behandlung chronischer Erkrankungen - einerseits sogenannte Wirkstoffspitzen vermeiden zu können und andererseits den Magen-Darm-Trakt nicht direkt zu belasten. Gleichzeitig ist dadurch die potenzielle Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs deutlich höher. Darüber hinaus ist die Anwendung auf der Haut unkompliziert und schmerzfrei. In der Summe führt dies zu einem erheblichen Komfortgewinn für den Patienten und damit zu einer deutlich verbesserten Therapietreue (Compliance).